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Expansionen kommunizieren

von Martin Wilbers

Es gibt Unternehmensveränderungen, die vor allem extern auf ein positives Echo stoßen. Wachstum und Expansionen gehören oftmals dazu. Der Umstand, dass ein bestimmtes Ereignis für die eine Dialoggruppe positiv ausfällt, bedeutet aber nicht, dass das auch für alle anderen Dialoggruppen so aussieht. In diesem Fallbeispiel aus der Praxis zeigen wir, warum so ein Thema auch Schmerzen verursachen kann.

Expansionen sind für ein Unternehmen im Grunde etwas Gutes. Sie sind häufig ein Signal für Wachstum und Prosperität. Eigentlich also ein Signal, über das sich Arbeitnehmer in aller Regel freuen können. Denn letztlich steigern Expansionen (nicht zu verwechseln mit Fusionen!) meist die Arbeitsplatzsicherheit. 

Unternehmen tun dennoch gut daran, solche Unternehmensentwicklung kommunikativ extern, vor allem aber auch intern gut vorbereiten. In einem kleinen Fallbeispiel zeigen wir, warum fehlende oder falsche Kommunikation selbst im Wachstumsfall negative Auswirkungen haben kann. 


Der Fall - Ausgangslage

Ein mittelständischer Betrieb mit einigen hundert Mitarbeiter ist seit zwei Jahrzehnten auf einem wachsenden Erfolgskurs. Die Produktionskapazitäten sind zwar gewachsen, über den bisherigen Standort hinaus hat man sich bisher allerdings nicht bewegt. In der Branche genießt das Unternehmen den Ruf, zu den deutschen Spitzenbetrieben zu gehören. Allerdings verlief die Umsatzentwicklung in den vergangenen drei Jahren nicht ganz wie geplant. Die gesteckten Ziele konnten in den vergangenen Jahren stets nur knapp erreicht werden. Die Folge sind seit geraumer Zeit Einsparmaßnahmen, Budgetkürzungen und Ausgabenstopps zur Jahresmitte. Nichts unbedingt Dramatisches, denn die geplanten Aktionen der Abteilungen konnten bisher dennoch umgesetzt und die Produktionskapazitäten ausgelastet werden. Auch im Export-Bereich sind nennenswerte Zuwächse zu verzeichnen. Dennoch: Es blieb bisher schwierig, den gesetzten Jahreszielen nachzukommen. 


Eine folgenschwere Kurzinformation

Im zweiten Quartal des laufenden Geschäftsjahres unterrichtet die Geschäftsführung in einer kurzen Nachricht darüber, dass der Betrieb die Gelegenheit ergriffen hat zu expandieren. Zugekauft werden zwei Produktions- und Vertriebsstätten. Man freue sich über diese Entwicklung und wünsche sich, dass die neuen Kolleginnen und Kollegen bei ihrer Integration unterstützt werden. 

Diese Nachricht sorgt in einer kurzfristigen Entwicklung für große Verwirrung und aufkeimende Ängste, insbesondere in der Produktionsbelegschaft. Die Mitarbeiter fragen sich, ob ihr Arbeitsplatz bedroht ist und in die neu erworbenen Produktionsstätten ausgelagert wird. Die Angst fußt auch auf den Budgetentwicklungen der vergangenen Zeit und dem Gedanken, dass die Arbeitsplätze in den neuen Betriebsstätten aufgrund der Standortlagen weniger kosten als am Stammsitz. Obwohl die Gerüchteküche brodelt, wird das Thema Expansion nicht noch einmal aufgegriffen und differenzierter dargestellt. 

In der Folge sinkt der Leistungsoutput am Stammsitz. Die Integration der neuen Standorte schreitet nur langsam voran. Teilweise werden anzuknüpfende Prozesse niederschwellig verschleppt oder anderweitig behindert. Die Expansionskosten steigen durch häufige Nachjustierung und die neu hinzugekommenen Mitarbeiter fühlen sich in weiten Teilen zunächst mit großem Mißtrauen konfrontiert und sind verunsichert. 


Was hätte man besser machen können?

Mit einem zielgerichteten Issue Management im Rahmen der Unternehmenskommunikation und einer vorbereitenden Chancen-/Risikenbetrachtung hätte man diese Entwicklung vorher sehen können. Ähnliche Hürden entstehen etwa im Rahmen unzureichend begleiteter Fusionen. Die Folgen können sogar auf längere Sicht bestehen bleiben. Die entstehenden Zusatzkosten sind nicht zu vernachlässigen. 

Obwohl das Thema Expansion in diesem Fall von Beginn an ein positives Signal hätte sein können, führte die knappe und wenig geplante Kommunikation zu negativen Auswirkungen in der Produktion. Auch Expansionen sind Veränderungen in einem Unternehmen und unterliegen damit sehr ähnlichen emotionalen Prozessen wie andere Veränderungsthematiken. In unserem Fall wurden diese Prozesse verstärkt durch das wahrgenommene Finanzdefizit. Es stellte sich insbesondere im Führungskreis des Unternehmens heraus, dass die Führungskräfte selbst durch fehlende Informationen verunsichert waren, weil sie sich selbst und ihren Mitarbeitern nicht erklären konnten, wie die vergangenen Budgetprobleme und die erfolgte Großinvestition zusammenpassen.